Die Frage war damit nicht erledigt. Ich habe sie erst einmal beiseitegeschoben. Der Alltag ging weiter, beruflich lief vieles gut. Trotzdem tauchte sie über die Jahre immer wieder auf.
Schon vor meinem Einstieg in den B2B-Software-Vertrieb hatte ich Auslandserfahrung gesammelt und auch beruflich im Ausland gearbeitet. Danach kamen unterschiedliche Rollen, Branchenperspektiven und Arbeitswelten hinzu. Ich habe viel gesehen, viel gelernt und beruflich einiges erreicht.
Mein Beruf hatte mir dabei lange nicht nur Struktur und Sicherheit gegeben. Er war auch ein Teil meiner Identität geworden. Rolle, Verantwortung und Leistung sagten nicht nur etwas darüber aus, was ich tat, sondern zunehmend auch darüber, wer ich glaubte zu sein.
Umso unbequemer wurde die Frage, was eigentlich bleibt, wenn Karriere nicht mehr automatisch die Richtung vorgibt.
Irgendwann wurde mir klar, dass ich sehr viel Zeit damit verbracht hatte herauszufinden, wie ich beruflich weiterkomme. Viel weniger klar war mir, ob diese Schritte überhaupt in eine Richtung führten, die wirklich zu mir passte.
Als eine Restrukturierung schließlich zu meiner Freistellung und einer Abfindung führte, entstand diese Frage nicht neu. Sie ließ sich nur nicht mehr so leicht vertagen. Mit der beruflichen Rolle fiel plötzlich auch etwas weg, das lange selbstverständlich zu meinem Selbstbild gehört hatte. Es gab keinen selbstverständlichen nächsten Schritt mehr und ich musste für mich beantworten, was ich eigentlich wirklich wollte.
Ich hätte möglichst schnell nach dem nächsten passenden Job suchen können. Stattdessen begann ich, meine bisherigen Entscheidungen genauer zu betrachten. Welche Muster ziehen sich durch meinen Weg? Was kann ich wirklich gut? Was gibt mir Energie? Welche Bedingungen brauche ich, um gut zu arbeiten? Und welche Ziele sind tatsächlich meine eigenen?
Diese Auseinandersetzung hat verändert, wie ich heute auf berufliche Entscheidungen schaue.
Früher stand häufig die Frage im Vordergrund, was der nächste logische Karriereschritt wäre. Heute interessiert mich zuerst, welche Richtung wirklich zu mir und zu dem Leben passt, das ich führen möchte.
Heute verbinde ich meine Erfahrung aus Vertrieb, Consulting, Hochschullehre und Konzern mit meiner Ausbildung zum systemischen Coach.
Mich verblüfft, wie strategisch viele Menschen Projekte, Kunden oder Unternehmen steuern und wie sehr sie die eigene berufliche Laufbahn gleichzeitig dem Zufall, äußeren Erwartungen oder dem nächsten naheliegenden Schritt überlassen.
Genau deshalb werde ich dir nicht sagen, dass du kündigen, dich selbstständig machen oder einfach nur den Arbeitgeber wechseln sollst.
Vielleicht ist eines davon für dich richtig. Vielleicht auch nicht.
Meine Aufgabe ist es, gemeinsam mit dir herauszuarbeiten, was dich bisher geprägt hat, was du wirklich brauchst und welche Möglichkeiten daraus entstehen. So kannst du berufliche Optionen nicht nur danach bewerten, ob sie vernünftig klingen, sondern danach, ob sie zu dir, deinem Leben und deinem tatsächlichen Handlungsspielraum passen.
Am Ende soll keine Entscheidung stehen, die nur auf dem Papier gut aussieht. Sondern eine, die du aus Überzeugung triffst.